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Studienfahrt nach München und Wien

oder die Geschichte wie 21 Schüler dem Erzengel Rahfael und seiner Gefährtin Heins folgten




In der Münchner Residenz
Hier wurde am Marmor gespart und die Fassade bemalt

Am Mittwoch, dem 23.04.03 machten sich 23 hoch motivierte Personen auf den Weg um Kultur und Geschichte der Städte München und Wien zu erkunden. Start der Reise war am Bargteheider Bahnhof. Da man sich ganze sechs Stunden in den Waggons der Deutschen Bahn aufhalten sollte, dachte sich Frau Heins eine nette Aufgabe zur Beschäftigung aus. In wenigstens vier Zeilen musste ein Gedicht verfasst werden, das die Ereignisse auf der Bahnfahrt schildern sollte. Die lyrischen Ergüsse der Schüler sollten dem anspruchsvollen Leser dieses Artikels an dieser Stelle vorenthalten werden (Schockgefahr!). Allerdings wurde das beste Gedicht mit einem Stückchen Torte belohnt.

Nachdem wir, völlig erschöpft von den geistigen Anstrengungen der Bahnfahrt, endlich in München angekommen waren, galt es eine “kurze Strecke“ zu Fuß zum Kolpinghaus, unserer Jugendherberge, zurückzulegen. Anscheinend hatte der sonnengeleitete Erzengel Rahfael mit dieser eigentlich einfachen, logistischen Aufgabe so ein oder zwei Problemchen. Denn aus der „kurzen Strecke“ wurde ein kilometerlanger Fußmarsch, der uns in unseren Befürchtungen bestätigte, dass wir uns tatsächlich nicht mit Hilfe einer Karte, sondern an dem Sonnenstand orientierten.



Die weitläufigen Parks des Schlosses Nymphenburg luden zum Verweilen ein

Als wir völlig verschwitzt am Kolpinghaus ankamen, wollten wir uns natürlich sofort auf die Duschen stürzen. Doch was dann kam, war einfach zuviel. Schock – In München gibt's Unisex-Duschen!!! Ja tatsächlich, für ein Jugendgästehaus, also eigentlich höherer Standard als eine Jugendherberge, mit Hunderten von Zimmern für Aberhunderte von Gäste gab es nur ZEHN!!! Duschen. In einem Raum!!! Auf diesen Schock folgte gleich der nächste. Zum Leidwesen eines verstörten, jungen Mannes stellten Jana und Wiebke, als sie das Klo stürmten, fest, dass auch hier kein Wert auf Trennung gelegt wurde.

Nachdem wir uns dann häuslich eingerichtet hatten, wurden unsere Füße abermals strapaziert. Trotz starken Widerstandes stand noch die Wanderung zum Schloss Nymphenburg auf dem Programm. Konkret bedeutete dies: Halbe Stunde laufen – 2 Minuten Aufenthalt in Nymphenburg – halbe Stunde zurücklaufen. Der anschließende Biergartenbesuch war für alle eine willkommene Erholung. Doch das Unheil nahm seinen Lauf! Im Dunkeln machten wir uns auf den Weg zum Olympiastadion.




Architektonische Meisterleistung: Die Aufhängung der Dächer über dem Olympiastadion

Dieser Marsch sollte bezeichnend für die gesamte Studienfahrt werden – wir wurden Zeuge des Rahf'schen Phänomens. Dieser versuchte doch tatsächlich erneut den Weg anhand des Sonnenstandes zu ermitteln. Schade nur, dass es stockfinster war! Der krönende Höhepunkt war dann, dass das Stadion geschlossen war – wie erfreulich!

Am nächsten Tag kamen wir zunächst in den Genuss einer Stadtführung und erhielten daraufhin die lang ersehnte Freizeit mit der Auflage, dass man sich um 16 Uhr an der Glyptothek einfinden sollte. Nach kurzer, künstlerischer Betätigung wollten wir dann einen zweiten Anlauf starten, das Olympiastadion zu besichtigen. Aber auch dieses Mal standen wir vor verschlossener Tür und das Thema hatte sich endgültig für alle erledigt.



Christoph war eigentlich nicht im Kunst-Leistungskurs



Die Glyptothek: Umfassende Skulpturensammlung

Am Freitag besuchten wir von 9 -17 Uhr das Deutsche Museum. Da dieses doch recht allumfassend war, sollte am Abend nur noch der Englische Garten auf dem Programm stehen. Daniel fragte einen Einheimischen zwar nach dem Chinesischen Garten am Englischen Turm, fand dann den Weg aber doch noch.

Am folgenden Tag kehrten wir der schönen Stadt München den Rücken, um uns auf den Weg nach Wien zu machen. Nachdem wir uns dort in unserer Jugendherberge, die weitaus komfortabler als die erste war, eingerichtet hatten, machten wir uns auf zum Schloss Schönbrunn. Da auch dieses geschlossen war (welch Déjà-vu-Erlebnis!), gaben wir uns mit dem angelegten Irrgarten zufrieden.



Neben dem Hundertwasserhaus. Von diesen Sanitärräumen hätten sich die Münchner Jugendherbergen eine Scheibe abschneiden können.

Am Sonntag stand auch in Wien die obligatorische Stadtrundfahrt auf dem Programm. Anschließend wurden noch das Hundertwasserhaus und der Prater angesteuert. Anscheinend fehlte bei Isi, Basti und Fabi noch der richtige Kick, denn diese drei stürzten sich auf dem Prater mutig aus 43 m Höhe in die Tiefe (natürlich gesichert!).

Am Abend entdeckten wir dann eine Cocktailbar in unmittelbarer Nähe zu unserer Jugendherberge, in der sich am darauf folgenden Abend der gesamte Jahrgang versammelte. Tagsüber hatten wir die Hofburg, Schloss Schönbrunn und die Gruft der Habsburger erkundet. In dieser Gruft erlebten wir die Mentalität der Italiener. Denn trotz eines Silentium-Schildes schrie eine schrullige Reiseführerin in fünffacher Zimmerlautstärke ihrer Horde von Italienern entgegen.



Die Nationalbibliothek
Erstdrucke der Lutherbibel unter Glas.
Unsere Reisegruppe belagerte aber die E-Mail-Monitore, um nach Bargteheide zu mailen.



Die Kaisergruft
Die Herzen lagen allerdings
zwei Kirchen weiter.

An unserem letzten Tag in Wien besuchten wir das Haus der Musik, in dem man an zahlreichen Klangspielen teilnehmen konnte. Die Stimmung war hier schon etwas bedrückt, da die Abreise nahte. Auf dieser sollten es viele von uns bereuen, keinen Schlafwagen gemietet zu haben, denn eine Nacht zu fünft in einem Bahnabteil zu verbringen ist nicht gerade sehr komfortabel. Dennoch wird die Studienfahrt nach München und Wien ein Erlebnis sein, das allen noch lange in Erinnerung bleibt.



Mit Blick auf Schloss Schönbrunn genossen wir auf den Stufen vor der Gloriette ein Stück Sachertorte, das wir uns durch den Aufstieg verdient hatten.


Deborah Plenck und Wiebke Grasmeier
13. Jg., Juni 2004

Bildkommentare  H. Rahf