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London - Studienfahrt


MITTWOCH

Dies ist die Reise nach London
und was wirklich dort geschah.
Widersprecht all den Lügen,
denn es war wirklich wunderbar.

Losgeflogen an einem Mittwoch,
Beschienen vom hellen Sonnelicht.
Es dauerte nicht lange,
bis im Flugzeug die erste Träne bricht.

Es war schon viel zu spät,
denn wir waren längst abgeflogen,
verließen Heimatland und Freunde
so völlig vom Boden abgehoben.

Erwartungsvoll schauten all die Stirne,
als wir über den weißen Wolken waren,
denn, als wir blickten in die Sterne,
war Zuckerwatte überall zu haben.

Nach nur einer Stunde angekommen,
blieben Gemüter heiter und froh,
die ersten Flaschen wurden genommen,
und wahrlich harter Alk kam so hervor.

Wir stellten fest: Fliegen sei nicht schlimm
und Linksverkehr wirklich ätzend,
So nahm man erst mal alles hin,
zu früh für ein Gemüt so aufhetzend.

Doch bald schon klärten sich die Geister,
angekommen in unserer Absteige.
Vielmehr ein Ghetto erwatete uns,
und das Getränk ging schnell zur Neige.

Erfreut nur waren wenige und ich,
denn wenn man dieses Hostel erblickt,
ist doch klar und gar nicht wunderlich,
dass man vieles Interessantes trifft.

Verteilt waren schnell die kargen Betten,
in denen man fortan schlief
und man konnte es kaum erwarten,
bis die Streife uns aus den Federn trieb.




Auf nach London!

DONNERSTAG

Wir blickten auf das Frühstück,
gar zu verwundert war man dann.
Von Glück war nicht zu sprechen,
an den Lehrern sich noch rächen.

Viel zu nüchtern waren wir dort,
und schauten in den Tagesablauf.
Dies war wirklich ein seltsamer Ort,
warum standen wir überhaupt auf.

Acht Tage waren uns beschert,
und kaum Besteck auf dem Tisch.
Wer hatte sich nur hierher verirrt
Komisch, warum riecht's hier nach Fisch.

Den Löffel jetzt abzugeben, wäre jämmerlich
Und so gingen wir in diese bunte Stadt,
von der wir nicht wussten, was sie uns bracht'.
Nur zu erledigen, was man zu erledigen hat.

Abends erschöpft durch die erste Tour,
die hungrigen Bäuche wir durchzählten.
Manche gingen viel zu schnell zur Ruh,
während wir lustig im Grünen grillten.

Die letzten Kohlen verglühten und
Die Behausung ließ ertönen Gesang,
nun gingen wir interessiert hinein,
fasziniert von diesem fremden Klang.

Überrascht erblickten wir die Szenerie,
es musizierten absonderliche Gestalten,
diesen Anblick vergessen wir nie,
es scheint sich Begabung zu entfalten.

Der erste Tag war hinter sich gebracht,
es war und blieb akzeptabel,
dennoch hätte man nie gedacht,
sie sei Wahrheit die Milleniumfabel.

Nüchternheit war des Nachts die Order,
und fast alle hielten sich daran.
Es gab kein Wenn und Aber,
getrunken wurde sowieso irgendwann.
FREITAG

Von wegen der Name sei Programm,
wir waren heute alles andere als frei.
Folgten unsren unermüdlichen Lehrern,
und nirgendwann ein bisschen Zeit.

Besichtigt wurde heute die Kathedrale.
Sie war viel zu riesig groß,
denn als man sie erblickte,
wurde das Gesicht schon wieder fahle.

Eine Kuppel größer als mein Haus,
erstreckte sich über allen von uns.
Oh, wünscht euch ihr könnt fliegen,
auch in diesem Raum eine Gnaden Gunst.

Der Ausblick war wirklich wunderweit,
so man sah über London Apparate blitzen,
man hörte nicht auf und nahm im Abstieg
nur einige Stufen von Zeit zu Zeit.

Diese schwindelerregenden Höhen,
kamen dem Himmel zwar nicht gleich,
doch blieben sie der Erinnerung wert,
und die schwachen Knie viel zu weich.

Später wandelten wir ziemlich trist
auf den hellen Schritten Shakespeares,
zum "Globe" hat man uns gezogen,
wo man uns Pfunde aus den Taschen frisst.

Abends zogen wir los in die Nacht,
die Kehlen wieder mal viel zu trocken.
Ein Einkaufswagen hat uns durchgebracht,
wir ließen uns nicht abzocken.

Stunden später mit vollem Schädel,
erschöpft auf in die tiefe Ruh.
Doch bevor die Augen fallen,
kippen wir uns völlig zu.

Verschleiert war die Wahrnehmung,
und vernebelt das liebe Gehör,
Nein, keiner war volltrunken,
dies euch jeder für immer schwör.




Der Tower, was'n sonst!

SAMSTAG

Verkaterte Gestalten wachten heut auf.
Kämpften sich durch den Schlechtwetterdunst.
Petrus ließ es aus den Wolken regnen,
verloren schien nun seine Gunst.

Nach Stunden wurde alles klar,
Gleich einem Krieg war dieser Tag,
und so zog es uns unerbittlich ein,
Das Imperial Museum of War.

Zur Schau gestellt waren frei dort,
Flieger, Wagen und Musketen,
berichteten vom bittren Tod,
nun wissen wir, wofür wir beten.

Durch Schützengraben und Erdbeben
Brachten uns die schweren Beine,
wir hoffen, so was nie zu erleben,
an die Hand genommen die Kleinen.

Verließen nun diesen harten Platz
Und gingen auf nach Greenwich,
doch bis auf das gute Essen,
war es kein wahrer Schatz.

Abends dann in dem Theater,
wozu sich nur wenige durchrangen,
hat der am Volke nahe Spaß
erst so richtig angefangen.

Doch unverstanden blieben die Witze
Und das Stehen viel uns zu schwer.
Wir brachen auf nach der Hälfte,
amüsierten uns dort wirklich nicht sehr.

Nun galt die Flucht nach Hause,
Vorfreude überkam die meisten im Nu,
Im Hostel feierte man seit Stunden ohne Pause,
und man sah dann auch nicht weiter zu.

Komm und lass uns die Bierchen trinken,
es ist besser sich nun zuzukippen,
als in Trauer erbärmlich zu versinken,
lass uns endlich die Postkarte verschicken.
SONNTAG

Auferstanden aus dem blauen Dunst,
gingen wir durch den Hyde Park,
ein Picknick im Grünen zu halten,
ernährte aufs Neue jeden von Uns.

Es gab manch Referat anzuhören,
unterm englischen Sonnenschein,
doch allein das Wissen kann nicht betören,
gemeinsam essen und doch allein.

Man verlief sich auf den Pfaden,
es halfen nicht die Eichhörnchen,
die mehr Ahnung als wir nun haben,
man war verzweifelt, wohin der Weg.

Wie ein Wunder war unsere Ankunft dann,
als wir erreichten, wohin man uns zog,
ein Fremdes Land, Speaker's Corner genannt,
nahm uns auf in seinen starken Sog.

Lamentierend diskutiert und halb verrückt
Erzählten sie uns vom Lebensglück,
doch wage blieben alle die ganzen Ideen
und so kamen wir wieder zu uns zurück.

Aufgewühlt von tausenden Gedanken,
erschlafften all die tauben Leiber
und gegen das bange Wanken,
ergaben wir uns dem Biere Zauber.

Auf zum Pub! war nun das Ziel,
voller Freude und mit Erstaunen,
gerieten wir an einen neuen Ort,
wie er schöner nie ins Auge fiel.
Gefunden war nun das Herz auf Erden,

es verstummten schnell sämtliche Beschwerden,
wie konnte es auch anders sein im Jetzt,
wenn wir die Gläser leeren.
Komm lass uns die Pint saufen,
gemeinsam um die Häuser laufen
und mit den letzten Pfunden, die wir haben,
am Abend den Strongbow Cider kaufen.




Heteros auf Abwegen!

MONTAG

Montag war einer der schönsten Stunden,
gingen wir doch im Tower ein und aus,
bewunderten manch gestutzten Raben
klar, die Monarchie nimmt ihren Lauf.

Wieder ging es nur um Kriege,
in den zu viele Menschen starben.
Bewundert wurden all die alten Siege,
wer hat schon Lust sich daran zu laben.

Schöner waren nun die Juwelen,
die munter blitzten in unsren Augen,
so viel Reichtum auf wenigen Schritten,
wer will dem Anblick schon ganz trauen.

Stund um Stund verstrichen hier gut,
denn als es uns durch die ganzen Gemäuer zog,
sah man viel von der närrischen Wache,
die stetig, unaufhaltsam ihre Patrouille schob.

Was sich schon klar abzeichnete,
war eine graue Vorahnung dieser Nacht,
Schuldzuweisung war eh umsonst,
Glücklich hat man die Erinnerung umgebracht.

Noch am jungen Abend hieß es,
lass uns um die Häuser ziehen,
alles an Alk einkaufen und dann wieder
durch die Nacht feiern, singen alte Lieder.
Auf einmal war alles so fremd

Und die Köpfe gar nicht mehr klar.
Gesetzt wurde auf komische Wetten,
hätt' ich gegeben stattdessen bloß mein Hemd.
Seltsames Gebaren und warme Gesten,
bestimmt die Szenen dieser Nacht.
Gut, da meiste war schnell vergessen,
doch diese Nacht
wurde Nacht der Nächte genannt.

Zum Glück sind wir noch alle frei,
noch freier als die Vögel selbst.
Kein Zwang der über uns schwebt,
Irgendjemand sagte: Cider vergelt's!
DIENSTAG

Ein neues Wunder war schon geschehen,
am diesem wunderbar klaren Morgen,
war uns allen das Geschenk gebracht,
munter aus der Nacht aufzustehen.

Lieber nicht an vieles denken,
welches war schon längst geschen'.
Besser auf zum nächsten Ziele.
Oh, wie konnte das nur passiern'.

Hin zu neuen, unbekannten Ufern.
Zu besichtigen waren zwei Museen.
Von Naturgeschichte hin zur Kunst
Gab es allerhand zu bestaunen und zu sehen.

Fenster öffneten sich im Geiste,
gleich neuer Welten in uns.
Mehr Wissen floss durch die Synapsen,
bis der erste sehnte sich zurück den Dunst.

Wie schön ist's doch unbedarft zu streben,
nach all jenem, das man sich sonst verbot.
Einfach immer mehr mitzunehmen,
bis die Zeit uns letztlich das Ende uns gebot.

Auch im Tate gab es viel betrachten,
doch hier waren wieder Köpfe lahmend,
der Enthusiasmus in der Wurzel flachend,
keine wollte mehr, die Kunst beachten.

Knurrenden Magens zog sich ein Trupp zurück
Und suchte in den endlosen Gassen,
vom Hunger blind umher getrieben
bei einem schmucken Inder so sein Glück.

Für 6 Pfund 50 gab es mehr als genug,
man hätte diese Jungen wirklich sehen sollen,
sie bekamen so viel wie sie wollten,
da jeder eine Wampe danach mit sich trug.

Ein guter Tag noch besser verbracht
Lag an diesem Abend hinter allen.
Kein Unsinn und nur Gutes vollbracht,
sittliche Lieder flogen in den Hallen.




Auch englische Lieder wurden gesungen. (Keep on rockin', Gisy!)

MITTWOCH
Die Sonne zog wieder ihre lange Bahn
Und die Gesichter blieben so fahl,
wer konnte diesen Kater nur erahn',
die Promille schienen wirklich kolossal.

Grad der Rechte Zustand um den Hof zu feiern
Und beim Wachenwechsel mitzugaffen.
Voller Touristen war der Platz und ich Wunder!
Es geschah fast nichts, Soldaten, die sich anblaffen.

Weiter liefen wir im London des Lichts,
unmotiviert wie sonst auch gingen wir vorran
und nachdem wir liefen immerfort ins nichts,
kamen wir endlich am Ziele an.

Nur noch ein Tag um zu feiern und zu leben
Hier im fernen, fremden Land.
Also auf zum gerühmten Hause Harrods,
noch ein wenig der letzten Pfunde auszugeben.

Offen standen da alle Münder,
als sie diese Prunk und Pracht erblickten.
Vergessen war Nessler von der Ecke,
man sich nun manierlich schickte.

Wenn man den letzten Abend hier nicht feiert,
dann wären sogar Waren und schönster Schmuck umsonst.
Zusammen feierten wir mit den Lehrern
Und auch diese genehmigten sich einen tiefen Schluck.

Wo auch anders als unter Londons Sternen
wurde wieder hier im Hostel gesungen,
So beim trüben Licht der Laternen
Zu manch trunknem Takt geschwungen.

Komm lass uns die letzten Gläser trinken,
bevor wir uns alle niederlegen.
Den klaren Gestalten einmal dreist zuwinken
Und dann am besten in schönen Träumen vergehen.

Der letzte Abend ward festgehalten
Mit zahlreichen Fotographien und Aufnahmen,
damit auch jeder, der sich später erinnere,
wisse, wie man sich wirklich gebar.
DONNERSTAG

Hastig schnell zusammen gepackt,
alles was verstreut in Zimmern lag.
Aufgesammelt und leer getrunken die Flaschen,
je nachdem, wie man es morgens mag.
Lachend dachte man zurück an den Abend,

was dort in munterer Runde miteinander lief.
Wer hätte je gedacht, so viel Spaß zu haben,
schade nur, dass die Heimat schon rief.
Liebgewonnen jene düstre Behausung,
in der man für eine gute Woche schlief,
und entgegen aller Befürchtungen
war es keine Woche, die sich in die Länge zieht.

Auf Wiedersehen, ihr kargen Morgentische
Und wieder mit dem Busse unterwegs im Land,
um anzutreffen im grauen Cambridge
eine wohlstudierte, umherführende Hand.

Noch einmal vollgeschlagen die leeren Bäuche
Mit der nun überdrüssigen Schnellkost hier.
Hoffentlich werden unsere fetten Ringe
Nicht zu einer ewig bleibenden Zier.

Das Flugzeug wartete auf uns schon,
und ein wenig Heimweh trat auf.
Es war vielleicht der gerechte Lohn
Für der vergangenen Dinge Lauf.

Noch im Reisen stimmten wir ein
In die Lieder der Städte Nacht
Es war und wird immer unsere Stadt sein
Weil sie einfach herrliche Kultur an sich hat.

Zurück zur Frage, die uns stets bewegt
in des Katers Tagen und blauer Nacht,
was nun von dieser Fahrt wirklich besteht
und fortan auch zwischen uns allen besteht.

Zu antworten, weiß wohl leider niemand nichts,
denn wer will schon kennen, was kommt.
Nur ein Faktum zum Exempel bleibt sicher,
bei der nächsten Studienfahrt, nehmen wir mit den Trichter!

Maximilian Gillmeister
13. Jg., 7.9.2005