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Empfang für polnische Schüler

[ Stormarner Tageblatt vom 7.5.2008 ]

Bargteheide/vst Bereits zum 7. Mal sind polnische Jugendliche aus der Partnerstadt Zmigrod zu Gast in Bargteheide. Nach Unterricht im Eckhorst-Gymnasium wurden die Schüler gestern von Bürgermeister Mitsch empfangen.

Kleine Geschichtsstunde für die Gäste
„Dzien dobry!“ – Bargteheides Bürgermeister begrüßte polnische Schüler im Ratssaal


Bargteheide/vst – „Dzien dobry!“ (Guten Tag), sagt Bürgermeister Werner Mitsch und schaut lächelnd und locker ins Rund des Ratssaales. Dort sitzen zur Abwechslung mal keine hiesigen Stadtvertreter, sondern junge Gäste aus der Ferne: elf Schüler und zwei Lehrer vom Maciej-Rataj-Gymnasium der polnischen Partnerstadt Zmigrod um genau zu sein.

„Es ist für mich keine Pflicht, sondern eine große Ehre, polnische Gäste im Rathaus zu begrüßen“, betont der Verwaltungschef die kleine Abordnung, die am Montag eintraf und bis Freitag bleibt. Untergebracht sind die 13 bis 15 Jahre alten Schüler und die zwei jungen Lehrer bei Gastfamilien. Sie nahmen bereits am Unterricht im Eckhorst-Gymnasium teil und werden in diesen Tagen noch Hamburg und Lübeck besuchen, Kontakte zu Stormarner Jugendlichen knüpfen und gemeinsame Abende verbringen – für den Verwaltungschef eine Herzensangelegenheit. Er ist ein Freund von Städtepartnerschaften und sagt den jungen Zuhörern auch warum: Gerade im Hinblick auf den 2. Weltkrieg mit so viel Leid weltweit sei es wichtig, sich die Hand zu reichen und die Zukunft in Frieden zu gestalten. „Dazu trägt eine Städtepartnerschaft als Keimzelle bei.“ Sie sei ein wichtiger Bereich, damit sich insbesondere Jugendliche über alle Grenzen hinweg kennen lernen und Freundschaften schließen – unabhängig von Sprache, Kultur oder Religion.

In Bargteheide sind die polnischen Jugendlichen daher genau richtig: Seit 2001 besteht die Verschwisterung mit Zmigrod. Seitdem hat sich die „Keimzelle“ prächtig entwickelt und es regelmäßig und gegenseitig Besuche samt tiefergehender Freundschaften gegeben. Allein beim jugendlichen Austausch ist es die 7. Stippviste von polnischer Seite. Zwei der Schüler waren bereits in Bargteheide und alle, so räumen sie im Gespräch ein, würden gerne wiederkommen. Das freut den Bürgermeister sehr.

Beim Empfang im Rathaus untermauert Werner Mitsch denn auch den zwischenmenschlichen Aspekt anhand eines Beispiels. Als er noch in Kappeln gearbeitet hat, nahm er drei Wochen lang an einer Friedensarbeit im ehemaligen Konzentrationslager Danzig teil. Dort traf er einen alten Mann. Der erzählte, dass Vater und Bruder während des 2. Weltkriegs im KZ ums Leben kamen und er selbst nur knapp überlebte. Trotz dieses Leids wollte der alte Mann namens André Kaiser mit seinem Enkel nach Deutschland und innerlich Frieden schließen. Das habe der auch getan und uns die Hand gereicht. „Das hat mich tief bewegt und beeindruckt“, erklärt der Bürgermeister. Deshalb wünscht Mitsch den Gästen, „dass ihr Freundschaften schließt und mit guten Eindrücken wieder nach Hause fahrt.“ Das Wetter spielt schon mal auf jeden Fall mit.

Vorher gewährte der Bürgermeister noch Einblicke in die geschichtliche Entwicklung Bargteheides, die Stadt, die rasant gewachsen ist. 1939 habe es 3050 Einwohner gegeben, fünf Jahre nach Ende des Krieges schon 6600. „Heute sind es fast 15 000 Einwohner.“ Er erklärt, dass es 23 Stadtvertreter gebe, demnächst Wahlen seien („die Plakate stehen nicht ständig rum“) und die fünf gekreuzten Linien im Stadtwappen für die Straßen und die Eisenbahn stehen, die durch Bargteheide führen. Und weiter, dass GetriebeBau Nord mit 500 Mitarbeitern das größte Unternehmen vor Ort sei, neben China, Indien und Südamerika auch ein Werk in Polen unterhält und dass es acht Schulen mit mehr als 4000 Schülern gebe.

Apropos Schule: Den Schulalltag hier empfinden die jungen Gäste aus Zmigrod nach den Probestunden im Eckhorst übrigens als locker. „Der Unterricht sei in Polen viel strenger“, übersetzt der dolmetschende Lehrer Robert Kolebuk die Antwort eines Schülers dem Bürgermeister, der den Gästen nach seiner kleinen Geschichtsstunde selbst Rede und Antwort steht. So will einer wissen, welchen Wagen er fährt. „Einen Ford, das ist mein Privatwagen“, antwortet Mitsch. „Warum gibt es keine Wohnblocks?“, lautet eine weitere Frage. „Doch, die gibt es – aber vorwiegend Einzel-, Doppel- oder Reihenhäuser“, sagt der Verwaltungschef und entlässt die Jugend dann nach einer Fotosession.

volker stolten