|
Längerfristiger Schüleraustausch Schleswig-Holstein / Pays de la Loire – Frankreich
Es ist jetzt schon eine ganze Zeit her, dass meine Französin Stéphanie Bailly bei mir war. Ich war damals in der zehnten Klasse und hatte mich entschlossen, wie viele andere Schüler auch, in der elften Klasse ins Ausland zu gehen. Ich entschied mich für einen sehr individuell und persönlich gestalteten Austausch mit den Pays de la Loire in Frankreich. Informationen über diesen Austausch hatte ich von meiner Französischlehrerin Frau Steil-Ströhmann bekommen.
Nachdem ich mich beim Ministerium beworben und den Steckbrief meiner Partnerin bekommen hatte, lag die weitere Organisation bei mir. Es galt Kontakt aufzunehmen, einen Termin zu finden und letztendlich den Transport zu organisieren. Stéphanie sollte im Frühjahr nach Bargteheide und an das Eckhorst Gymnasium kommen.
Stéphanie wurde in der Klasse sehr unterschiedlich aufgenommen. Zunächst bedeutete dieser Gast natürlich Aufregung. Sie konnte viel Neues von ihrer Schule, ihrem Zuhause und ihrer Reise erzählen. Da aber wenig Zeit im normalen Unterricht blieb, um einen Fremden Schüler aktiv mit einzuarbeiten, wurde der Unterricht für Stéphanie schnell langweilig. Gemeinsam mit Frau Steil-Ströhmann stellten wir einen eigenen Stundenplan für meine (Gast-) Schwester auf, so dass sie mehr Stunden im Sprachunterricht mitmachte. Am meisten genoß Stéphanie wohl die „lockere“ und „unverkrampfte“ Art, mit der unsere Lehrer sie behandelten. Ihr Stundenplan war kürzer und entspannter als meiner, was für einen ausländischen Gast auch durchaus sinnvoll ist.
Das sah in Frankreich etwas anders aus. Ich war am Ende der Sommerferien nach Le Mans gefahren. So hatte ich so noch gut zwei Wochen Zeit mich im fremden Land einzuleben. – am Anfang gar nicht so einfach, meine Französin war sehr ehrgeizig, und das nicht nur mit sich selbst. Sie bestand darauf in Deutschland nur Deutsch und in Frankreich nur Französisch zu sprechen.
Was mir den den Anfang erschwerte, half mir später. Ich merkte sehr schnell, dass Franzosen vor allem den Effort schätzten, den man zeigt.  Eine freundliche Begrüßung und echtes Interesse an Menschen, Land und Sprache rief immer Begeisterung und ungeahnte Lobeshymnen hervor („elle parle si bien!“ – damit meinten sie mich!!).
Am Lycée Montesquieu sind immer wieder Austauschschüler aus verschiedenen Ländern und für verschiedene Zeitabschnitte zu Gast. Das merkte man vor allem an der Offenheit, mit der die Schüler auf uns Deutsche zugingen. Wir waren möglichst einzeln auf verschiedene Klassen aufgeteilt worden und mussten dann sämtlichen Unterricht dieser Klasse mitmachen.
Es handelte sich bei „meiner“ Schule um eine in Frankreich übliche Ganztagsschule. Gerade anfangs verursachte diese lange Konzentrationsphase mir häufig Kopfschmerzen. Zusätzlich zu den normalen Verständnisschwierigkeiten kam, dass einige Lehrer aktive Mitarbeit von uns forderten – in einigen Fächern war das kaum möglich. Letztendlich gewöhnte ich mich aber auch an die verschieden angenehmen Schulerlebnisse und kann sogar sagen, dass mir die französischen Lehrer wichtige Dinge „fürs Leben“ mitgeben konnten.
Zurück am Eckhorst nämlich sah ich mich der enormen Arbeit gegenüber, den Stoff der letzten drei Monate nachzuholen. Bewaffnet mit der geballten Kraft des französischen Ehrgeizes (“il faut travailler dur!“) ging ich die Arbeit an und schaffte die elfte Klasse fast ohne Einbußen in meinen Noten. Ich würde einen solchen Austausch immer weiterempfehlen. Ein Aufenthalt von drei Monaten ist allerdings zu kurz, um Erlebtes zu vertiefen.
Ein gegenseitiger Austausch hat den Vorteil einer höheren Individualität und geringerem Kostenfaktor. Niemals sollte man einen so „kurzen“ Aufenthalt wählen, um schlechte Noten aufzubessern, denn nur das eigene Interesse sorgt für den Erfolg.
Mareike Höckendorff (13. Jg. – 12/2003)
|