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Projektkurs Kabarett

Kabarett und Theater im Eckhorst Gymnasium


Der Projektkurs „Theater und Kabarett“

Entstanden ist dieser Projektkurs auf Wunsch von Schülerinnen und Schülern, die mit diesem Interesse am Ende des letzten Schuljahres an mich herantraten. Da das Theaterspielen schon immer ein besonderer Schwerpunkt meiner schulischen Arbeit bildete, kam ich diesem Anliegen mit großer Freude nach und so bildete sich der Projektkurs „Theater und Kabarett“ mit insgesamt 17 Schülerinnen und Schülern.

In der gemeinsamen Planungsphase bildeten sich grob drei thematische Schwerpunkte heraus:

  • Alle wollten ausprobieren, welche kreativen Fähigkeiten in ihnen steckten, und zwar im darstellerischen aber auch im produzierenden (Text, Kulisse, Puppenbau etc.) Bereich. Dies sollte zunächst innerhalb des Kurses mehr im Stegreifspiel erprobt werden.
  • Am Ende des Halbjahres sollte auf jeden Fall eine öffentliche Präsentation in Form eines Theaterabends stehen. Die Art und Weise, wie sich die bzw. der Einzelne einbringen würde, sollte jedem überlassen bleiben.
  • Der theoretische Hintergrund (Theater, seine Entstehung und Geschichte, seine Entwicklung und seine vielfältigen Formen bis in die Gegenwart) sollte in begleitenden Referaten (s. Präsentation auf den nächsten Seiten) eingebracht werden.

Diese drei Schwerpunkte haben wir auch entsprechend umsetzen können. Bereits beim Umsetzen kleiner szenischer Vorgaben (Reizwörter, Ausgangsszene, Typenkonstellation) im Stegreifspiel entfalteten die Kursteilnehmer viel Phantasie und empfanden diese kreative Aufgabe als etwas, was im schulischen Alltag der Oberstufe kaum Anwendung findet.

So zeigen die folgenden Bilder Ausschnitte aus dem „Gespräch dreier alter Männer“, das sich um „früher“ dreht, wo alles besser war, oder um „heute“ mit allen Beschwerlichkeiten des Alters. Weiterhin wurde eine „Ungewöhnliche Busfahrt“ präsentiert, bei der der Busfahrer einen Fahrgast zum Verlassen des Busses auf offener Strecke auffordert, weil dieser zu heftig geniest hat. Es galt nun, die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten der anderen Mitfahrenden auszugestalten.

Zeitlich parallel liefen nun Auswahl möglicher Stücke für einen Theaterabend und das Beschäftigen mit der Theatergeschichte in Kleingruppen. Recht schnell war klar: Alle wollten spielen! Allerdings bedurfte es einer gewissen Zeit herauszufinden, ob alle ein gemeinsames Stück zur Aufführung bringen wollten oder ob man sich eher an einem „Bunten Abend“ mit verschiedenen Szenen versuchen sollte. Die zweite Möglichkeit kristallisierte sich dann als die praktikablere heraus und wurde in Angriff genommen. Dazu gehörte das Aufarbeiten von Textvorgaben, das Umschreiben und eventuelle Hinzufügen weiterer Personen, das eigenständige Abfassen von spielbaren Texten auf der Grundlage einer Spielidee und das Herstellen von Puppen, Kulissen und Spieltexten für ein Puppentheater. So entstanden immerhin in fünf Gruppen ganz verschiedene kleine Stücke. Unter dem Motto „Kabarett im Selbstversuch. Ein Projektkurs führt sich auf“ (→Plakat in der Ankündigung) wurde mit Hilfe vieler auch zusätzlicher – Proben am 11. Januar 2005 aufgeführt.

Den Anfang machte das satirische Stück „Der Gerettete“. Ein Schiffbrüchiger, der endlich ans rettende Ufer treibt, gerät in die Mühlen der Bürokratie. Er landet, nachdem er der sensationslüsternen Presse entronnen ist, im Amt für Marine- und Schifffahrtsunglücke, eine bissige Parodie auf die kalte und unmenschliche Abfertigung der Opfer, die sich den Öffnungszeiten, der Formularwut, der bürokratischen Hierarchie ausgesetzt sehen. Präsentiert wurde dieses Stück von Annette Erker, Joana Tazckowski, Julia Muxfeldt und Monika Hock.

Danach folgte eine kabarettistische Szene mit dem Titel „Das Sponsoring“. Der Sparzwang aufgrund der leeren öffentlichen Kassen erreicht auch die Schule und bringt ein Lehrerkollegium in die fatale Lage, neue Geldquellen zu erschließen, um Umbau, Heizung und anderes notwendiges Inventar finanzieren zu können. Die Bedingungen eines Sponsoring durch einen ortsnahen Verbrauchermarkt werden erwogen und schließlich dankbar angenommen. Diese Idee brachten Fee Wäldchen, Isabel Baron, Melanie Kindel, Janet Langer und Marius Knuth auf die Bühne.

Die nächste kabarettistische Einlage thematisierte die Frage „Was gibt’s Neues?“, und zwar in der Zeitung, worüber sich zwei Personen genüsslich streiten. Egal ob es die Rechtschreibreform, die sinkende Binnennachfrage und der Weltspartag ist oder ob die Gesundheitsreform neue Kosten für den Bürger bereithält – alles wird diskutiert, und zwar von Anna-Lena Schwabe, Christine Bleser und Stefanie Gattermann.

Nach der Pause demonstrierten Sven Wiencke und Nils Kubera (unter Mitwirkung von Thekla Ahrens, Marius Knuth, Tim Tiedemann und Johannes Fründ), dass das Puppentheater nicht mit Kasperletheater für Kinder gleichgesetzt werden darf. „Tarald und Chewbacca“ sind zwei Phantasiefiguren, die scheinbar ein Schwarz-Weiß-Gemälde von gut und böse entwerfen. Allerdings stecken hinter dem amüsanten Spiel viele Klischees des Verhaltens, der Sprache, der Bewertung, die oft vordergründig Wahrnehmung und Kommentierung bestimmen.

Den Abschluss bildete ein selbst erstelltes Stück „Ein Schrank ist ein ...“, das inspiriert wurde von einer Erzählung Bichsels. Ein alter Mann (Johannes Fründ), der die Monotonie seines Alltages durchlebt, findet als einzige Abwechslung die sich ständig wiederholende Unterhaltung zweier junger Leute (Thekla Ahrens und Tim Tiedemann) vor seinem Fenster. Immer wieder geht es um das Gras im Garten und den Neuerwerb eines Schrankes, der nun in der Wohnung Probleme mit dem Stellen macht. Dem setzt der alte Mann eine Vertauschung von Wörtern entgegen und findet zunehmend Spaß an diesen Verdrehungen. Als die beiden ihre Probleme bereits mehr oder weniger geschickt bereits überwunden haben, will der alte Mann seinen Vorschlag unterbreiten, ist aber mit seiner Sprache nicht mehr kommunikationsfähig.

Der Spendenerlös, um den wir gebeten hatten, kam ausschließlich den Flutopfern in Südostasien zugute, und zwar über UNICEF. Dies waren immerhin beachtliche 270 Euro. Der Theaterabend stieß aber auch bei den zahlreichen Zuschauern und der anwesenden Presse auf große Resonanz. Vor allem aber hat er allen Beteiligten viel Freude gemacht.

Birgit Fluhr-Leithoff, 27.2.05

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