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Elternbrief 2 06/07
Oktober 2006
Liebe Eltern,
wir haben in den letzten Wochen bedingt durch etliche längerfristige Erkrankungen im Kollegium häufig Vertretungsstunden erteilen müssen, z. T. fiel der Unterricht ganz aus. Ich hoffe, dass wir nach den Herbstferien wieder zu der gewohnten kontinuierlichen schulischen Arbeit zurückfinden können und danke an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen, die sich über ihr Stundensoll hinaus zusätzlich unterrichtlich engagiert haben. Mit freundlichen Grüßen
Werner Biernoth, Schulleiter
Über SchüleraustauschObwohl ich kein Sprachlehrer bin, habe ich mich häufig an Austauschfahrten der Schule beteiligt und in vielen Fällen
diese Reisen auch selbst organsiert. Mit Bedauern stelle ich fest, dass das Interesse an solchen Unternehmungen in den letzten Jahren abgenommen hat.
Deswegen möchte ich hier jetzt darstellen, warum ich diese Fahrten unterstütze und auch gerne daran teilnehme.
- Es geht auf diesen Fahrten meistens recht fröhlich zu und der Abschied von den ausländischen Partnern fällt den meisten Teilnehmern schwer. Das mag zu einem großen Teil daran liegen, dass in diesen ein bis zwei Wochen sich alle von ihrer Schokoladenseite zeigen und der Gesprächstoff auch bei einem ganz fremden Partner für diese Zeit reicht. Es sind schon viele länger bestehende Freundschaften auf diese Weise entstanden. Dieses Training in Kontaktaufnahme zu fremden Personen scheint mir wichtig zu sein.
- Auf diesen Reisen erkennt man die Notwendigkeit, fremde Sprachen zu lernen. Teilweise treffen wir auf ausländische Teilnehmer, die ausgesprochen gut Deutsch sprechen – ein Vorbild für uns. Teilweise erleben wir, dass unsere eigenen Kenntnisse hilfreich sind und wir trainieren sie. Dadurch entsteht eine Motivation, fremde Sprache zu lernen.
- Die Kulturen der europäischen Staaten sind einander so ähnlich, dass die Unterschiede (bis auf die andere Sprache) auf den ersten Blick garnicht auffallen. (Überall leben die Menschen in beheizbaren Häusern mit elektrischem Licht und das Essen kann von deutschen Mägen ohne Probleme verdaut werden.) Aber aus den verschiedenen geographischen, historischen und politischen Vor¬aussetzungen ergeben sich viele kleine Unterschiede, die bei genauerem Hinsehen deutlich werden. Diese Anregung, auf Kleinigkeiten zu achten und den eigenen kulturellen Hintergrund zu reflektieren, scheint mir wichtig zu sein.
- Die Geschichte des vorigen Jahrhunderts mit den beiden grausamen und für Deutschland peinlichen Weltkriegen sollte uns anspornen, die bösen Erinnerungen, Vorbehalte und Vorurteile durch Partnerschaft und Freundschaft zu ersetzen. Die EU und ihre Erweiterung ist ja so gedacht, dass wir uns alle als in einem Boot sitzend verstehen wollen. Dazu sollten wir uns gegenseitig kennenlernen. Das ist für unsere und Europas politische Zukunft von großer Bedeutung.
- Dadurch, dass wir privat untergebracht und verpflegt werden, ist eine solche Reise wohl auch etwas billiger als eine touristische Reise. Beim Preisvergleich müsste man berücksichtigen, dass die meisten Fahrt kosten, Eintrittsgelder usw. im Zieliand im Gesamtpreis enthalten sind.
- Zum Schluss noch zwei ganz egoistische Gründe: Wenn im Ausland Deutsch gelernt wird, haben wir es manchmal leichter. Wenn der Tourismus nach Deutschland gefördert wird, haben wir wirtschaftliche Vorteile davon.
Nun möchte ich noch auf einige Gegenargumente eingehen:- Touristische Fahrten und auch Studienreisen bieten nur einen geringen Teil dieser Erfahrungen. Einzige Ausnahmen sind als internationale Begegnung angelegte Reiseangebote. Auf jeden Fall sollte man das Gespräch mit den ausländischen Partnern suchen und versuchen, hinter die Fassaden zu sehen.
- Eine zu kleine Wohnung müsste eigentlich in vielen Fällen ein lösbares Problem sein. Unsere Partner in den ehemaligen Ostblockstaaten wohnen oft in kleineren Wohnungen als wir und stellen deshalb keine großen Ansprüche. Wir selber sollten natürlich auch nicht eine eigene Suite erwarten. Für ein bis zwei Wochen sollte man sich beschränken können.
- Die Eltern können die notwendigen Fahrdienste nicht leisten. Das mag vielleicht manchmal schwer lösbar sein, Aber durch das Bilden von Fahrgemeinschaften und die Linienbusse kann man dies Problem etwas entschärfen. Wenn die ausländischen Besucher sicher Rad fahren können, können sie angemessene Strecken auch einmal mit dem Fahrrad zurücklegen. Vielleicht weiß manchmal der organisierende Lehrer einen Ausweg.
- Man möchte keinen Unterricht versäumen. Dazu gibt es auch Angebote in den Ferien und die Reiseerfahrungen mögen in Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung den ausgefallen Unterricht an Bedeutung übertreffen. Den versäumten Stoff muss man natürlich nachholen.
- Man möchte seine Ferien nicht blockieren. Verständlich. Aber vielleicht hat der organisierende Lehrer bei einer Reise während der Ferien Möglichkeiten, die Reise eher zu einer Ferienreise werden zu lassen, als bei einer Reise während der Schulzeit.
Ich möchte hier an die Eltern appellieren, ihren Kindern solche Reise zu ermöglichen und die damit verbundenen Mühen auf sich zu nehmen – es lohnt sich für die Jugendlichen. Manchmal hat es sogar den Eltern Spaß gemacht. Wenn Sie Zweifel haben, dann fragen Sie Eltern, deren Kinder solch eine Fahrt in das entsprechende Land mitgemacht haben.
Und ich möchte auch an die Schüler appellieren, an diesen Austauschfahren teilzunehmen. Es macht Spaß und vermittelt neue und neuartige Erfahrungen. Wenn ihr Angst habt: Auf der Hin- und Rückfahrt und bei den gemeinsamen Veranstaltungen (aus dem offiziellen Programm und auch privat) trefft ihr die bekannten Schulkameraden immer wieder. Wenn ihr Zweifel habt, dann fragt Schüler, die an einer frühren Reise in das entsprechende Land teilgenommen haben.
Es ist Anliegen der Schule, dass möglichst viele Schüler diese Angebote als eine wichtige Ergänzung des Unterrichtsangebotes wahrnehmen. Für die Erweiterung des Horizontes sollte man während der Schulzeit wohl in mindestens zwei verschiedenen Ländern solche Erfahrungen machen. Reinhard Heer
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