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Segeln 09


Das größte Abenteuer erwischte Jonas kalt auf der Hinfahrt: Beim Aussteigen aus dem Zug in Kiel bemerkte er, dass offensichtlich schon vorher jemand mit seinem Reisegepäck ausgestiegen war (wohl absichtlich, wie er nach dem üblichen Prozedere feststellen musste, jedenfalls ist sein Gepäck bis heute nachhaltig verschollen). Wir trennten uns also, eine Gruppe ging mit Jonas erstmal alles notwendige shoppen, wir anderen arbeiteten uns mittels eines völlig überfüllten Zugs nach Süderbrarup vor und erreichten gegen Mittag mit dem Bus Kappeln. Die Masten der LOVIS waren schon von weitem zu sehen, wir mussten also nicht lang suchen; nach der fröhlichen Begrüßung von den Bootsleuten nahmen wir dann vorsichtig Besitz vom Schiff und legten uns mehrheitlich auf die Frachtluke in die Sonne. Ein Freund von Herrn Sewing brachte die Großbestellung Biolebensmittel, nach dem Einstauen fuhr eine kleine Gruppe den Rest einkaufen und wir erkundeten Kappeln – insbesondere der Schiffsausrüster war unversehens zum Wallfahrtsort geworden :o) Am ersten Abend folgte noch das gemeinsame Abendbrot kochen und die erste kleine Sicherheitseinweisung, los ging’s erst am nächsten Morgen nach dem Frühstück.


Die ersten Tage verbrachten wir viel Zeit mit dem Segeln Lernen, den vielen neuen Fremdwörtern, zwischen den Segelmanövern in der Sonne liegen, einen tollen Dänemarkquiz, dass einige vorbereitet hatten, nachmittags den jeweils neuen Hafen und die dazugehörige Insel erkunden und ökologischen Strandwanderungen. Während wir so Ærø und Lyø hinter uns ließen und den kleinen Belt mit satten 8 Knoten hochsurften, stellte sich immer mehr heraus, dass der Wind es absolut gegen uns abgesehen hatte. Mit steifem Nordostwind über die ganzen 10 Tage kamen wir praktisch nicht von der Ostküste Jütlands weg, eine unruhige Nacht in Middelfahrt und ein wellenreicher Tag in der Mündung des kleinen Belts machten schnell klar, dass es mit 'Rund Fünen' nichts werden würde. So machten wir in Bogense fest und stellten uns innerlich auf eine ruhige Rückfahrt durch den kleinen Belt ein. Abends stellte die Crew uns noch ihr Projekt vor – die LOVIS ist nämlich gar kein 'normales' Segelschiff, sondern wurde und wird ehrenamtlich von ungefähr 20 Leuten aufgebaut und gefahren, um Bildungsarbeit zu machen. Das war doch beeindruckend.

Am nächsten Tag regnete es lange, so dass wir unsere Regenklamotten doch nicht ganz umsonst mitgeschleppt hatten, dafür erwarteten uns bei Middelfahrt dutzende Schweinswale, die die Strömung nutzten, um zu fischen und stundenlang neben uns die Rückenflosse aus dem Wasser zu stecken – sehr fein. Am Nachmittag waren wir wegen völligen Mangels an Wind nicht viel weiter gekommen und ankerten in einer Bucht knapp südlich von Middelfahrt inklusive baden im traumhaften Sonnenuntergang und Ankerwache gehen.

Herr Sewing zeigte uns einen seiner Ansicht nach abgefahrenen Film (Fitzcarraldo), der allerdings sooo langatmig war, das nur eine Handvoll durchhielten.

Die nächsten Tage erwarteten uns noch traumhafte Häfen auf Ærø (leider auch mit viel Regen), Faborg mit seiner durchweg hyggeligen Altstadt und zum Abschluss wieder Lyø – hier wurde auch unser letzter Versuch, ein Abend am Lagerfeuer verbringen trotz heldenhaften Holzsuchaktionen über die ganze Insel von Regenschauern torpediert.

Vielleicht ist etwas zu viel vom Regen die Rede gewesen – faktisch sind wir alle ganz schön braun geworden und müssen uns überhaupt nicht vor den Südeuropareisenden verstecken. Die Dänische Südsee hat ihrem Namen alle Ehre gemacht… Schlussendlich können wir jetzt ungefähr ein Segelschiff segeln und haben das schnuckelige Dänemark mit den unzähligen Inseln von der Wasserseite gesehen, kleine hübsche Dörfer und Städtchen besucht; wissen, dass man leider morgens nicht sagen kann, wo man abends ankommt, haben Navigation, Knoten, spleißen und 'Seemannschaft' gelernt und mit spannenden Gruppendynamikprozessen richtig schöne 10 Segeltage verbracht.

Start einer Diashow (ca. 75 MB, als Film:))

12. Jahrgang/Sg 20.9.2009